KeyInvest Blog

14. November 2022

Unterschiedliche Taktgeber

In der vergangenen Woche blieb kein Börsenauge trocken. In der ersten Hälfte dominierten noch die Bären das Geschehen. Auf der einen Seite trieben drohende neue Lockdowns in China den Investoren Sorgenfalten auf die Stirn. In der Millionenmetropole Guanghzou wurde nämlich nach einem sprunghaften Anstieg der Corona-Infektionszahlen Massentests angeordnet. Während dies die Aktienkurse nur hemmte, erlebten Bitcoin & Co. einen Blitzcrash. Dieser war aber nicht China, sondern der in Schieflage geratenen Kryptobörse FTX.com geschuldet. Am Donnerstag wischten die mit Spannung erwarteten Inflationsdaten aus den USA dann kurzfristig alle Sorgen vom Tisch. Die Teuerungsrate tauchte im Oktober auf 7.7 Prozent nach 8.2 Prozent im September ab. Am Markt wurde lediglich mit einem Rückgang auf 8.0 Prozent gerechnet. (Quelle: Refinitiv, Medienbericht, 10.11.2022) Daraufhin zündeten die Bullen ein Kursfeuerwerk. Dem Dow-Jones-Index gelang ein Tagesplus von 3.7 Prozent, der S&P 500 rückte um 5.5 Prozent vor und der technologielastige Nasdaq sprang gar um 7.4 empor.*

Lichtblicke

Der vierte Rückgang der Inflation in Folge nährt die Hoffnungen, dass die zuletzt deutlichen Zinserhöhungen der US-Notenbank Wirkung zeigen und die Spitze der Preisentwicklung überwunden sein könnte. Dies wiederum lässt vermuten, dass das Fed in der Zukunft eine weniger aggressive Gangart einschlägt. Investoren rechnen nun mit einer Wahrscheinlichkeit von 71.5 Prozent damit, dass bei der Zinssitzung im Dezember der Leitzins „nur“ noch um einen halben Prozentpunkt erhöht wird. Zuletzt nahmen die Währungshüter mehrere Aufwärtsschritte um 0.75 Prozentpunkte vor. Bis Mai wird erwartet, dass der Leitzins auf 4.75 bis 5.00 Prozent zulegen wird. Vor den jüngsten Teuerungsdaten hatten Ökonomen noch mehr als fünf Prozent auf dem Zettel. (Quelle: Refinitiv, Medienbericht, 11.11.2022)

Auch die EZB meldete sich mit versöhnlichen Tönen zu Wort. So teilte Spaniens Notenbank-Gouverneur Pablo Hernandez de Cos mit, dass die jüngsten Jumbo-Zinsanhebungen in der Eurozone in Höhe von 0.75 Prozentpunkten nicht das künftige Muster sein müssen, sondern sich die Schritte an den Wirtschaftsdaten orientieren werden. Diesbezüglich wird es in der neuen Woche spannend. Am Dienstag stehen die Stimmungsindikatoren von Deutschland, Europas grösster Volkswirtschaft an. Schätzungen zufolge dürften die zuletzt leicht verbesserten ZEW-Erwartungen im November nochmals etwas optimistischer ausfallen. Am Tag darauf werden dann die Daten für die gesamte Eurozone veröffentlicht. Darüber hinaus stehen die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal an. Prognostiziert wird ein leichtes Wachstum in der Eurozone von 0.2 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 2.1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. (Quelle: Refinitiv, Medienbericht, 11.11.2022)

Langsamere Gangart

Die weiteren konjunkturellen Aussichten trüben sich allerdings weiter ein. Aufgrund der Energiekrise rechnet die EU-Kommission in ihrer am Freitag vorgestellten Herbstprognose im kommenden Jahr kaum noch mit einem Wirtschaftswachstum. Das BIP dürfte laut der Brüsseler Behörde 2023 nur noch um 0.3 Prozent zulegen, im Sommer war noch von 1.4 Prozent die Rede. Für das Schlussquartal 2022 geht die Kommission sogar davon aus, dass die Euro-Zone in eine Rezession abtauchen wird, die sich Anfang 2023 fortsetzen könnte. (Quelle: Handelsblatt, Medienbericht, 11.11.2022) Interessant wird, wie die Währungshüter auf der letzten Zinssitzung in diesem Jahr am 15. Dezember die weitere Lage einschätzen und dementsprechend ihre Geldpolitik ausrichten werden. Im September und im Oktober wurde der Leitzins mit Mammut-Schritten auf 2.0 Prozent angehoben.

Kryptos im Fokus

Ob sich die freundliche Börsenstimmung aus der Vorwoche fortsetzen wird, hängt noch von weiteren Faktoren an. In den USA sind am Mittwoch die Einzelhandelsumsätze dran. Experten gehen davon aus, dass diese deutlich zugelegt haben, da unter anderem mehr Autos verkauft wurden und auch der „Amazon Prime Day“ den Onlinehandel angekurbelt haben könnte. Wie ein Damoklesschwert schweb allerdings die Kryptobörse FTX über den Kapitalmärkten. Börsianer befürchten, dass Verluste im Kryptowährungssektor den Abzug von Geldern in anderen Vermögensklassen verursachen und somit einen Flächenbrand auslösen könnten. (Quelle: Refinitiv, Medienbericht, 11.11.2022)

Derweil neigt sich die Bilanzsaison – zumindest in den USA – dem Ende entgegen. Bis dato haben 91 Prozent der S&P 500-Unternehmen ihre Bücher offengelegt. Davon überraschten 69 Prozent auf der Gewinnseite positiv. Insgesamt übertrafen die Ergebnisse die Schätzungen um 1.8 Prozent. Beide Werte liegen zwar unter den 5-Jahres-Durchschnitten, jedoch verzeichneten die Unternehmen, die für das dritte Quartal positive Gewinnüberraschungen gemeldet haben, bis zwei Tage nach der Veröffentlichung einen Kursanstieg von durchschnittlich 2.4 Prozent. Diese Performance ist deutlich grösser als der 5-Jahres-Durchschnitt von 0.9 Prozent. (Quelle: FactSet, Earnings Insight, 11.11.2022) Ganz vorbei sind die Zahlenveröffentlichungen aber auch in Übersee noch nicht, mit Walmart, Cisco Systems, Nvidia und Oracle legen in dieser Woche noch weitere namhafte Konzerne ihre Bücher offen.

US-Inflationsrate (Veränderung gegenüber Vorjahr)

Stand: 11.11.2022; Quelle: Statista
*Bitte beachten Sie, dass vergangene Wertentwicklungen keine Indikationen für künftige Wertentwicklungen sind.

Wichtige Konjunkturtermine

Datum Uhrzeit Land Ereignis
15.11.2022 00:50 JP Bruttoinlandsprodukt
15.11.2022 03:00 CN Einzelhandelsumsätze
15.11.2022 08:00 UK Arbeitslosenquote
15.11.2022 11:00 EZ ZEW-Umfrage Konjunkturerwartungen
15.11.2022 11:00 EZ Bruttoinlandsprodukt
15.11.2022 k.A. DE Infineon Quartalszahlen
15.11.2022 k.A. US Walmart Quartalszahlen
16.11.2022 08:00 UK Verbraucherpreisindex
16.11.2022 14:30 US Einzelhandelsumsätze
16.11.2022 k.A. US Cisco Quartalszahlen
16.11.2022 k.A. US Nvidia Quartalszahlen
16.11.2022 k.A. US Oracle Quartalszahlen
16.11.2022 k.A. DE Siemens Energy Quartalszahlen
17.11.2022 08:00 CH Handelsbilanz
17.11.2022 11:00 EZ Verbraucherpreisindex
17.11.2022 14:30 US Erstanträge Arbeitslosenhilfe
17.11.2022 14:30 US Philly-Fed-Herstellungsindex
17.11.2022 13:30 US Erstanträge Arbeitslosenhilfe
17.11.2022 18:30 CH Rede von SNB-Mitglied Andréa Maechler
17.11.2022 k.A. US Applied Materials Quartalszahlen
17.11.2022 k.A. DE ThyssenKrupp Quartalszahlen
18.11.2022 08:00 UK Einzelhandelsumsätze
18.11.2022 08:30 CH Industrieproduktion
18.11.2022 k.A. CN JD.com Quartalszahlen

Stand: 11.11.2022; Quelle: Refinitiv

Weitere Blogeinträge:

Wachsender Zinsoptimismus

In den USA sind die Konsumentenpreise im Juni 2024 gegenüber dem Vormonat um 0.1 Prozent gesunken.

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