26. Januar 2026
Zollfrieden, Goldrausch und Fed im Fokus
Die transatlantischen Märkte atmen auf – zumindest vorerst. Nachdem der Zollstreit zwischen den USA und Europa wie ein Damoklesschwert über den Börsen hing, sorgte das überraschende Einlenken von US-Präsident Donald Trump in der zweiten Wochenhälfte für eine erste Entspannung. Die Rücknahme der angedrohten Strafzölle im Zusammenhang mit dem Grönland-Konflikt nahm den Aktienmärkten einen wesentlichen Belastungsfaktor.
Diese fragile Beruhigung passt ins Gesamtbild eines Marktes, der sich derzeit zwischen robusten Fundamentaldaten und erheblichen geopolitischen Risiken bewegt. Zwar unterstreichen die jüngsten US-Konjunkturdaten die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft: Die US-Wirtschaft wuchs im dritten Quartal 2025 mit 4.4 Prozent etwas stärker als erwartet, die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen unter den Prognosen und auch der Konsum bleibt ein stabilisierender Faktor. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 22.01.2025) Gleichzeitig ist die Nervosität hoch, weil politische Entscheidungen zunehmend kurzfristig und schwer kalkulierbar erscheinen. Besonders deutlich spiegelt sich dieses latente Misstrauen in der anhaltenden Rallye am Edelmetallmarkt wider. Gold und Silber setzen ihren historischen Höhenflug fort und markieren beinahe im Wochentakt neue Rekorde. Gold knackte die Marke von 5‘000 US-Dollar je Feinunze, Silber hat die psychologisch wie symbolisch wichtige Schwelle von 100 US-Dollar ebenfalls bereits überschritten.* Insbesondere Silber profitiert von seiner Doppelrolle als Anlage- und Industriemetall. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 22./26.01.2026)
Während sich der transatlantische Zollkonflikt zumindest temporär entschärft hat, bleibt ein anderer geopolitischer Brandherd ungelöst: die Ukraine. Die diplomatischen Bemühungen um eine Waffenruhe oder gar einen tragfähigen Frieden haben bislang keinen Durchbruch gebracht. Zwar wurde in Abu Dhabi intensiv verhandelt, doch die Fronten bleiben verhärtet. Am Sonntag gab Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj dann bekannt, dass ein Dokument der USA über Sicherheitsgarantien vollständig ausgearbeitet und unterzeichnungsreif sei. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 25.01.2026)
Notenbank im Fokus
Der Blick richtet sich auf eine Woche, die das Potenzial hat, neue Impulse zu setzen. Im Zentrum steht dabei die anstehende Sitzung der US-Notenbank. Die Erwartungshaltung ist eindeutig: Eine Zinspause gilt als nahezu ausgemacht. Angesichts einer Inflationsrate, die zuletzt seitwärts tendierte, und eines Arbeitsmarktes, der zwar an Dynamik verliert, aber keineswegs einbricht, sieht der Markt keinen akuten Handlungsdruck und rechnet nicht mit einer Fortsetzung der Lockerungspolitik. Vielmehr dürfte die Notenbank abwarten wollen, bis temporäre Verzerrungen – etwa durch tarifbedingte Preiseffekte oder administrative Sonderfaktoren – aus den Daten herausgerechnet sind. Mindestens ebenso wichtig wie der Zinsentscheid selbst wird jedoch die Kommunikation. Anleger hoffen auf Hinweise, wie es in den kommenden Monaten weitergehen könnte: Bleibt es bei einem längeren Abwarten, oder rücken Zinssenkungen im Frühjahr wieder näher? Hinzu kommt eine politische Dimension, die ungewöhnlich stark in den Fokus gerückt ist. Die wiederholten Angriffe aus dem Weissen Haus auf die Unabhängigkeit der Notenbank und die offene Diskussion über die Nachfolge an der Fed-Spitze sorgen für zusätzliche Unsicherheit. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 23.01.2026)
Kursbewegende Konjunkturdaten und Unternehmensbilanzen
Neben der Geldpolitik rücken auch wichtige Konjunkturdaten in den Blick. In Europa stehen unter anderem die Wachstumszahlen für das vierte Quartal auf der Agenda. Erwartet wird ein moderates Plus, getragen vor allem von den südeuropäischen Volkswirtschaften. Ergänzt wird das Bild durch Stimmungsindikatoren wie den Ifo-Index in Deutschland, der Hinweise darauf geben dürfte, ob sich die zuletzt leichte Aufhellung in den Einkaufsmanagerindizes verfestigt. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 23.01.2026)
Ein weiterer Schwerpunkt der Woche ist die laufende Berichtssaison. Besonders in den USA erreicht sie eine spannende Phase, denn eine Reihe der „Magnificent Seven“ (Microsoft, Meta, Tesla und Apple) legt ihre Zahlen vor. Die Tech-Riesen haben in den vergangenen Jahren nicht nur die Kursentwicklung der Wall Street massgeblich geprägt, sondern auch die Bewertungen der Indizes nach oben getrieben. Entsprechend hoch sind die Erwartungen. Die Prognosen zu erfüllen dürfte nicht reichen, die Märkte warten auf Signale für nachhaltiges Wachstum, insbesondere im margenstarken KI-Geschäft. Enttäuschungen könnten hier schnell zu spürbaren Korrekturen führen. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 23.01.2026)
Auch in Europa nimmt die Bilanzsaison Fahrt auf. Mit den Zahlen grosser Industrie- und Technologiekonzerne wie ABB und SAP wird sich zeigen, ob die Hoffnung auf eine konjunkturelle Bodenbildung gerechtfertigt ist. Gerade für den heimischen Markt ist das von Bedeutung: Der SMI bewegt sich nach seinem Allzeithoch in einer Art Wartestellung. Ohne überzeugende Unternehmensausblicke dürfte es schwer werden, neue Höchststände nachhaltig zu verteidigen. Unterm Strich bleibt das Marktumfeld komplex. Die Entspannung im Zollstreit hat Zeit gekauft, aber keine strukturellen Probleme gelöst. Die Rallye bei Gold und Silber ist Ausdruck tief sitzender Unsicherheit, die geopolitischen Konflikte wirken fort, und die Welt steht unter ungewohnt starkem politischem Einfluss. Kurzfristig dürften aber die Notenbanksignale, Konjunkturdaten und Unternehmensbilanzen wertvolle Hinweise für den weiteren Kursverlauf liefern. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 30.12.2025)
Gold vs. Silber (5 Jahre, nur zu illustrativen Zwecken, Umbasierung auf 100%)*

Stand: 23.01.2026; Quelle: Reuters
* Bitte beachten Sie, dass vergangene Wertentwicklungen keine Indikationen für künftige Wertentwicklungen sind.
Wichtige Wirtschaftstermine
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Ifo Geschäftsaussichten |
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Boeing Quartalszahlen |
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LVMH Quartalszahlen |
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BoJ Sitzungsprotokoll |
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GfK Verbrauchervertrauen |
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Fed Zinsentscheid |
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FOMC Pressekonferenz |
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ASML Quartalszahlen |
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Meta Platforms Quartalszahlen |
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Microsoft Quartalszahlen |
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Tesla Quartalszahlen |
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Handelsbilanz |
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Geschäftsklimaindex |
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ABB Quartalszahlen |
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Givaudan Quartalszahlen |
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H&M Quartalszahlen |
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Roche Quartalszahlen |
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SAP Quartalszahlen |
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14:30 |
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Erzeugerpreisindex |
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Exxon Mobil Quartalszahlen |
Stand: 23.01.2026; Quelle: Reuters
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