16. Februar 2026
Makrodaten auf dem Fahrersitz der Märkte
Wer in der vergangenen Woche auf die grossen Indizes blickte, kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Börsen auf zwei Kontinente aufgeteilt haben. In den USA überwog der Rückwärtsgang: Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq beendeten die Woche unterm Strich schwächer und steuerten zeitweise auf die schlechteste Woche seit November zu. In Europa dagegen dominierten die Pluszeichen. Besonders auffällig war die relative Stärke beim DAX und SMI. Getragen von dem Trio Swisscom, ABB und Novartis legte der Schweizer Leitindex um 0.7 Prozent zu. Während die Wall Street an Zinsen und Tech-Nervosität kaute, wirkte Europa für viele Anleger zumindest kurzfristig wie der solidere Hafen.*
Zwischen Konjunkturhoffnungen und Zinszweifeln
Der Blick auf die vergangenen Tage zeigt, warum diese Divergenz nicht nur Stimmung, sondern auch Makroökonomie war. In den USA lieferte der Arbeitsmarktbericht den ersten Kursimpuls der Woche, und er fiel eindeutig aus: 130‘000 neue Stellen ausserhalb der Landwirtschaft im Januar, erwartet worden waren lediglich 70‘000. Starke Jobdaten sind derzeit ein zweischneidiges Schwert: Sie stützen zwar die Konjunktur, nehmen aber zugleich den Druck von der US-Notenbank, die Zinsen zeitnah zu senken – was wiederum die Stimmung an der Wall Street drückte. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 11.02.2026)
Die zweite grosse makroökonomische Marke in den USA setzte zum Wochenschluss die Inflationszahl. Die Verbraucherpreise stiegen im Januar nur noch um 2.4 Prozent, nachdem die Teuerungsrate im Dezember bei 2.7 Prozent gelegen hatte. Zudem fiel der Anstieg geringer aus, als Ökonomen geschätzt hatten. Das reichte, um die Nerven zu beruhigen, die Zinsfantasie wieder etwas zu beleben und die Kurse zu stabilisieren.* Parallel zum Aufatmen blieb aber die Sorge, dass Künstliche Intelligenz ganze Geschäftsmodelle in Software, Finanzen und Logistik schneller umpflügen könnte, als es vielen Unternehmen lieb ist. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 13.02.2026)
Die Zinswette bleibt auch in der neuen Woche ein bestimmendes Thema. Aktuell gilt: Der Markt rechnet frühestens im Juni mit einer ersten Senkung. Gleichzeitig scheidet aber Jerome Powell Mitte Mai als FOMC-Chairman aus, was die Debatte über den künftigen geldpolitischen Kurs nicht einfacher macht. Neue volkswirtschaftliche Daten könnten Licht ins Dunkel bringen. In den USA steht die Industrieproduktion an, ausserdem werden die Mitschriften der vergangenen Fed-Sitzung ausgewertet. Zum Wochenschluss dürfte der PCE-Index, der die persönlichen Ausgaben der Konsumenten beleuchtet, besondere Beachtung finden, weil er als wichtiges Inflationsmass des Fed gilt. Daneben steht die erste Schätzung zum US-Bruttoinlandsprodukt an. Erwartet wird im Median nur noch eine annualisierte Wachstumsrate von 2.8 Prozent, nach 4.4 Prozent im dritten Quartal 2025. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 13.02.2026)
Solides Wachstum
Europa hat seine BIP-Daten bereits veröffentlicht. Eurostat meldete für das Schlussquartal 2025 ein Wachstum in der Euro-Zone von 0.3 Prozent gegenüber dem Vorquartal, respektive 1.3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Es ist kein Boom, aber es ist Kontinuität: Auch im Sommer hatte es ein Plus von 0.3 Prozent gegeben. Während die grossen Volkswirtschaften Deutschland (0.3 Prozent) und Frankreich (0.2 Prozent) solide abschnitten, präsentierten sich Spanien und Portugal mit jeweils 0.8 Prozent deutlich dynamischer. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 13.02.2026)
Die neue Woche wird nun zeigen, wie der volkswirtschaftliche Start in das neue Jahr verläuft. Auf der Datenagenda stehen mehrere Punkte, die das Wachstumsszenario in 2026 bereits beschreiben können. So rücken in Europa die ZEW-Konjunkturerwartungen in den Fokus, ein Stimmungsbarometer für die Einschätzung der Börsenprofis. Dazu kommen Daten zur Industrieproduktion in der Euro-Zone und zum Wochenschluss stehen die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie und den Dienstleistungssektor im Februar an.
Neues von Unternehmen und der Geopolitik
Die Berichtssaison läuft derweil weiter, aber sie verliert ihren Charakter als täglicher Taktgeber. Die Bilanzflut nimmt ab, und damit sinkt auch tendenziell der Einfluss einzelner Ergebnisse, die den gesamten Markt bewegen. Dennoch gibt es Namen, die lokal für Bewegung sorgen können: In Deutschland stehen unter anderem Zahlen von Hochtief an, in den USA berichten Palo Alto und Walmart und hierzulande öffnet Schwergewicht Nestlé seine Bücher. Gerade in einem Umfeld, in dem KI-Disruption als Bedrohung für bestehende Geschäftsmodelle diskutiert wird, ist es wichtig, welche Konzerne wirklich eine Preis- und Margenkraft haben.
Zum Schluss bleibt der Faktor, der immer für Überraschungen gut sein kann: die Geopolitik. In der neuen Woche sind mögliche Friedensgespräche im Konflikt Ukraine/Russland angekündigt. Parallel dazu entwickelt sich der Iran-Konflikt mit den USA weiter. Für Dienstag sind Verhandlungen unter Vermittlung Omans in Genf geplant. Teheran signalisiert Kompromissbereitschaft, knüpft sie aber an die Aufhebung von Sanktionen. Washington will die Agenda weiter fassen als nur das Atomprogramm. Fortschritte würden Risikoprämien an den Märkten reduzieren, Eskalationen sie dagegen abrupt wieder aufbauen. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 13.02.2026)
BIP-Wachstum Eurozone (gegenüber Vorjahresquartal)

Stand: 13.02.2026; Quelle: Eurostat
* Bitte beachten Sie, dass vergangene Wertentwicklungen keine Indikationen für künftige Wertentwicklungen sind
Wichtige Wirtschafts- und Unternehmenstermine
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Datum |
Uhrzeit |
Land |
Ereignis |
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16.02.2026 |
11:00 |
EZ |
Industrieproduktion |
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17.02.2026 |
08:00 |
GB |
Arbeitslosenquote |
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17.02.2026 |
08:00 |
DE |
Verbraucherpreisindex |
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17.02.2026 |
11:00 |
EZ |
ZEW Umfrage Konjunkturerwartungen |
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17.02.2026 |
14:30 |
CA |
Verbraucherpreisindex |
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17.02.2026 |
k.A. |
US |
Palo Alto Quartalszahlen |
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18.02.2026 |
00:50 |
JP |
Handelsbilanz |
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18.02.2026 |
08:00 |
GB |
Verbraucherpreisindex |
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18.02.2026 |
14:30 |
US |
Auftragseingänge langl. Güter |
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18.02.2026 |
15:15 |
US |
Industrieproduktion |
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18.02.2026 |
20:00 |
US |
FOMC Protokoll |
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19.02.2026 |
08:30 |
CH |
Industrieproduktion |
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19.02.2026 |
14:30 |
US |
Erstanträge Arbeitslosenunterstützung |
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19.02.2026 |
14:30 |
US |
Philly-Fed-Herstellungsindex |
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19.02.2026 |
08:00 |
GB |
Bruttoinlandsprodukt |
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19.02.2026 |
14:30 |
US |
Erstanträge Arbeitslosenunterstützung |
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19.02.2026 |
16:00 |
US |
Verkäufe neuer Häuser |
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19.02.2026 |
07:00 |
CH |
Nestlé Quartalszahlen |
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19.02.2026 |
k.A. |
DE |
Siemens Energy Quartalszahlen |
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19.02.2026 |
k.A. |
US |
Walmart Quartalszahlen |
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19.02.2026 |
k.A. |
CH |
Zurich Insurance Quartalszahlen |
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20.02.2026 |
00:30 |
JP |
Verbraucherpreisindex |
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20.02.2026 |
02:15 |
CN |
PBoC Zinsentscheid |
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20.02.2026 |
08:00 |
DE |
Erzeugerpreisindex |
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20.02.2026 |
08:00 |
GB |
Einzelhandelsumsätze |
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20.02.2026 |
10:00 |
EZ |
Einkaufsmanagerindex |
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20.02.2026 |
10:30 |
GB |
Einkaufsmanagerindex |
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20.02.2026 |
14:30 |
US |
Konsumausgaben |
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20.02.2026 |
14:30 |
US |
Bruttoinlandsprodukt |
|
20.02.2026 |
15:45 |
US |
Einkaufsmanagerindex |
|
20.02.2026 |
16:00 |
US |
Uni-Michigan Verbrauchervertrauen |
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20.02.2026 |
k.A. |
CH |
Sika Quartalszahlen |
Stand: 13.02.2026; Quelle: Reuters
Weitere Blogeinträge:
Hohe Erwartungen und dünne Nerven
Der vergangenen Börsenwoche fehlte es an nichts – auch nicht an Bewegung. Die grossen Indizes hüpften und rutschten und fingen sich wieder, ohne klare Richtung und ohne überzeugenden Takt.
Schlagzeilen machen Kurse
Die vergangene Börsenwoche hatte es in sich: Aktienmärkte suchten mehrfach nach Halt und fanden ihn nur auf Zeit, während die Edelmetalle regelrecht Kapriolen schlugen.
Zollfrieden, Goldrausch und Fed im Fokus
Die transatlantischen Märkte atmen auf – zumindest vorerst. Nachdem der Zollstreit zwischen den USA und Europa wie ein Damoklesschwert über den Börsen hing, sorgte das überraschende Einlenken von US-Präsident Donald Trump in der zweiten Wochenhälfte für eine erste Entspannung.
