27. April 2026
Allzeithoch mit Fragezeichen
Der Höhenflug an der Wall Street geht in die nächste Runde – und wirkt doch zunehmend fragil. Mit neuen Rekordständen beim S&P 500 und Nasdaq Composite feiern die Märkte eine Rallye, die auf den ersten Blick von robuster Unternehmensdynamik und geopolitischen Entspannungssignalen getragen wird.* Doch unter der glänzenden Oberfläche zeigen sich Risse: Der Optimismus der Investoren steht in auffälligem Kontrast zu einer sich eintrübenden realwirtschaftlichen Stimmung – allen voran beim US-Verbraucher.
Kursrallye vs. Stimmung
Tatsächlich könnte es diese Diskrepanz sein, die den jüngsten Börsenaufschwung auf tönerne Füsse stellt. Während die grossen Indizes von starken Tech-Werten und einer zurückkehrenden Euphorie im Halbleitersektor – unter anderem angeführt von Intel – nach oben gezogen werden, signalisiert die Konsumentenseite Alarmbereitschaft. Das Verbrauchervertrauen fiel zuletzt auf ein historisches Tief. Die kurzfristigen Erwartungen liegen so niedrig wie seit 1980 nicht mehr. Diese Entwicklung ist kein Randaspekt, sondern zentral für die Bewertung der Märkte. Rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung hängen direkt am privaten Konsum. Wenn die Konsumenten verunsichert sind, könnte früher oder später auch die Gewinnentwicklung der Unternehmen unter Druck geraten. Historisch betrachtet ist die Kombination aus euphorischen Aktienkursen und pessimistischen Verbrauchern kein gutes Omen – weder vor dem Platzen der Dotcom-Blase noch vor der Finanzkrise 2008. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 10.04.2026)
Geopolitische Zuversicht, geldpolitische Entscheidung
Dass die Märkte dennoch weiter steigen, liegt derzeit an einer Mischung aus Hoffnung und Liquidität. Hoffnung auf eine geopolitische Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran, wo diplomatische Initiativen zuletzt für vorsichtigen Optimismus sorgten. Doch auch hier gilt: Die Lage bleibt volatil. Die Blockade der Strasse von Hormus wirkt wie ein permanentes Damoklesschwert über den Märkten. Ein erneuter Ölpreisschock könnte die Inflation weiter anheizen – mit unmittelbaren Konsequenzen für die Geldpolitik.
Damit rückt ein zentrales Ereignis der neuen Woche in den Fokus: die Sitzung des Federal Reserve am Mittwoch. Das Gros der Marktteilnehmer geht davon aus, dass die Notenbank den Leitzins vorerst unverändert in der Spanne von 3.50 bis 3.75 Prozent belassen wird. Doch die eigentliche Spannung liegt weniger in der Zinsentscheidung selbst als vielmehr in der Kommunikation danach. Denn die Fed befindet sich in einer ungewöhnlichen Gemengelage. Zum einen steht sie unter politischem Druck von US-Präsident Donald Trump, der weiterhin Zinssenkungen fordert. Zum anderen sorgt die Nachfolge an der Spitze der Notenbank für Unsicherheit. Der amtierende Fed-Chef Jerome Powell könnte vor seiner letzten Sitzung stehen, während sein potenzieller Nachfolger Kevin Warsh bereits im politischen Prozess festhängt. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 24.04.2026)
Die EZB ist einen Tag später dran. Die Währungshüter haben klar gemacht, die Inflation eindämmen zu wollen. Dies führte zu Spekulationen auf mehr als zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr. Am Donnerstag dürfte das Team um Chefin Christine Lagarde den Konsens zufolge aber noch stillhalten und erst im Juni die Zinsen anheben. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 24.04.2026)
Hohes Gewinnwachstum
Parallel dazu nimmt die Berichtssaison weiter Fahrt auf. Die bisherigen Zahlen haben positiv überrascht und den jüngsten Kursaufschwung zusätzlich befeuert.* Laut Daten von FactSet wird für das erste Quartal ein Gewinnwachstum von 15.1 Prozent veranschlagt, ein starker Wert angesichts der makroökonomischen Unsicherheiten. Vor allem Tech-Unternehmen profitieren von der anhaltenden Nachfrage im Bereich Künstliche Intelligenz. Damit ist die Zuversicht zuletzt auch gewachsen, in der Vorwoche lag die Prognose noch bei 13.1 Prozent. Sollte sich die Wachstumsrate bewahrheiten, wäre dies das sechste Quartal in Folge mit einem prozentual zweistelligen Plus. (Quelle: FactSet, Earnings Insight, 24.04.2026)
Neben Makrodaten, wie die April-Zahlen zum US-Konsumentenvertrauen am Dienstag oder die Inflationsdaten für den Euro-Raum am Donnerstag, und Unternehmenszahlen wird auch die Geopolitik ein dominierender Faktor in der neuen Woche bleiben. Der Iran-Konflikt ist dabei weiterhin ein Brennpunkt. Die Märkte haben sich zwar an ein gewisses Mass an Unsicherheit gewöhnt, reagieren aber weiter empfindlich auf Eskalationen, insbesondere wenn diese Auswirkungen auf Energiepreise haben. Bei den Einzeltiteln fällt in der neuen Woche Bayer eine besondere Rolle zu. Die Deutschen stehen am Montag bezüglich der Glyphosat-Klagen vor einem entscheidenden Termin vor dem US-Supreme Court.
Bayer im Fokus
Im Kern geht es um die Frage, ob Bundesrecht Klagen auf Ebene einzelner US-Bundesstaaten ausschliesst. Ein Urteil zugunsten des Pharma- und Agrarkonzerns könnte einen Befreiungsschlag bedeuten und die seit Jahren drückende Rechtsunsicherheit deutlich reduzieren. Umgekehrt würde eine Niederlage die ohnehin hohe finanzielle Belastung weiter verschärfen und die strategische Flexibilität des Unternehmens einschränken. Vor diesem Hintergrund erscheint eine Positionierung in der Bayer-Aktie mit einem Discount-Zertifikat Symbol: HSJBNU) derzeit als attraktiv. Das Produkt bietet einen Rabatt von 24.4 Prozent und stellt eine Maximalrendite von 17.7 Prozent p.a. in Aussicht. Kapitalschutz besteht aber nicht. Zudem trägt der Anleger das Emittentenrisiko, so dass das eingesetzte Kapital – unabhängig von der Entwicklung des Basiswertes – im Falle einer Insolvenz der UBS AG verloren gehen kann.**
Bayer (5 Jahre, Angaben in EUR)

Stand: 24.04.2026; Quelle: LSEG
* Bitte beachten Sie, dass vergangene Wertentwicklungen keine Indikationen für künftige Wertentwicklungen sind
** Die Produktdokumentation, d.h. der Prospekt und das Basisinformationsblatt (BIB), sowie Informationen zu Chancen und Risiken, finden Sie unter: ubs.com/keyinvest.
Wichtige Wirtschafts- und Unternehmenstermine
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Nordex Quartalszahlen |
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Schweizer Electronics Quartalszahlen |
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BP Quartalszahlen |
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Coca Cola Quartalszahlen |
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Idorsia Quartalszahlen |
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Novartis Quartalszahlen |
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T-Mobile US Quartalszahlen |
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Auftragseingänge langl. Güter |
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Mercedes-Benz Quartalszahlen |
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Microssoft Quartalszahlen |
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UBS Quartalszahlen |
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EZ |
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GB |
BoE Zinssatzentscheidung |
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EZ |
EZB Zinssatzentscheidung |
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US |
Erstanträge Arbeitslosenunterstützung |
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14:30 |
US |
Bruttoinlandsprodukt |
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US |
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Apple Quartalszahlen |
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BASF Quartalszahlen |
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FR |
BNP Paribas Quartalszahlen |
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VW Quartalszahlen |
Stand: 24.04.2026; Quelle: LSEG
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