Schlagzeilen machen Kurse
2. Februar 2026
Schlagzeilen machen Kurse
Die vergangene Börsenwoche hatte es in sich: Aktienmärkte suchten mehrfach nach Halt und fanden ihn nur auf Zeit, während die Edelmetalle regelrecht Kapriolen schlugen. Gold und Silber liefen erst in ein Rekordfieber hinein, um dann in eine scharfe Korrektur zu kippen.* Die Bewegungen wirkten wie ein Seismograf für ein Umfeld, in dem Anleger auf Wachstum setzen wollen, aber die geopolitische Risikoprämie hoch ist. Treiber dieser Nervosität waren unter andrem die angespannte Lage rund um Iran, die Diskussion über die künftige Führung der US-Notenbank – und die generelle Frage, wie stark Politik inzwischen in die Geldpolitik eingreift.
US-Notenbankchef nominiert
US-Präsident Donald Trump hat zum Wochenschluss die Spekulationen um den künftigen Notenbankchef beendet und den früheren Fed-Direktor Kevin Warsh nominiert. Formal ist das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen: Der Senat muss zustimmen, und in Washington zeichnet sich bereits ab, dass die Personalie in innenpolitische Auseinandersetzungen hineingezogen werden könnte. Warsh ist für Anleger schwer in eine Schublade zu stecken. In der Finanzkrise galt er als bestens vernetzt zur Wall Street, zugleich ist sein Ruf nicht der eines klassischen „Tauben“-Kandidaten, der reflexhaft auf schnelle Zinssenkungen drängt. Neu ist jedoch, dass er sich zuletzt offen für niedrigere Zinsen gezeigt hat und so auf Linie mit der Trump-Regierung ist. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 30.01.2026)
Für den Aktienmarkt würde das auf den ersten Blick Rückenwind bedeuten. Denn ein glaubwürdiger Pfad zu sinkenden Leitzinsen reduziert Diskontsätze, stützt Bewertungen und hält die Wachstumswerte hoch. Auf der anderen Seite bleibt die Debatte über die Unabhängigkeit der Notenbank, die wie Sand im Getriebe wirkt und die Volatilität erhöht. Das zeigte sich unmittelbar nach der Nominierung: Der Dollar zog an, während die Edelmetalle abrupt abtauchten.*
Berichtssaison mit Schönheitsfehlern
Dieses Muster aus „Risk on“ in Wellen und „Risk off“ in Schüben prägt derzeit auch die Berichtssaison. Während Meta überzeugte zeigte Microsoft, wie dünn die Nerven sind: Ein Cloud-Wachstum, das „nur“ knapp über den Erwartungen liegt, reicht in einem Premium-bewerteten Markt nicht mehr aus. Das lässt sich auch in Europa feststellen. SAP enttäuschte mit Signalen einer Verlangsamung bei wichtigen Cloud-Auftragseingängen, was der Aktie zweistellige Kursverluste bescherte.* Für die kommende Woche bleibt die Berichtssaison ein zentrales Risiko- und Chancenfeld. In den USA stehen unter anderem Zahlen von Alphabet, Pfizer und PayPal an, in Europa rücken Werte wie Novo Nordisk und Infineon in den Fokus und hierzulande öffnen Julius Bär und Novartis ihre Bücher. Insgesamt berichten aus dem S&P 500 diese Woche 129 Unternehmen, aus dem STOXX 600 sind es 84 Unternehmen. Nach den jüngsten Reaktionen ist dabei klar: Der Markt honoriert nicht mehr automatisch ordentliche Zahlen. Vielmehr werden Beweise verlangt, dass der Wachstumspfad belastbar ist. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 30.01.2026)
Wirtschaft und Geldpolitik
Makroseitig kamen aus dem Euroraum zuletzt konstruktive Signale. Das Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone legte im vierten Quartal um 0.3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu – etwas stärker als erwartet. Auf Jahressicht steht damit ein Plus von 1,5 Prozent. Doch nicht jedes Land performte gleicht gut: Während Spanien enorme Dynamik zeigt, bewegen sich Deutschland und Italien im eher unspektakulären Bereich. Daher wird interessant, wie die EZB damit umgeht. Auf ihrer geldpolitischen Sitzung diese Woche spricht vieles für eine Fortsetzung der Pause: Der Einlagensatz liegt bei 2.0 Prozent, die Teuerung notiert mit rund 1.9 Prozent nahe am Ziel. Allerdings gibt es ein Störfeuer: Der Dollar-Verfall. Das Währungspaar EUR/USD ist vergangene Woche erstmals seit 2021 über die Marke von 1.20 Dollar gestiegen. Dies spiegelt die unvorhersehbare US-Wirtschaftspolitik wider. Die EZB unterstellt bei ihren Projektionen für 2026 einen durchschnittlichen Wechselkurs von 1.16. Sollte als der Euro stark bleiben, könnte dies allmählich Auswirkungen auf die Konjunktur- und Inflationsprojektion der Zentralbank haben. Umso genauer werden Marktteilnehmer den Worten auf der Pressekonferenz am Donnerstag um 14:45 Uhr folgen. (Quelle: Reuters, Medienbericht, 30.01.2026)
Daneben spielt die Geopolitik weiterhin eine wichtige Rolle. So wirkt die Iran-Lage als Preistreiber am Ölmarkt, was wiederum die Inflationssorgen reaktivieren könnte. Im Terminkalender stehen die Teuerungsdaten für den Euroraum im Januar. Zuletzt lag die Teuerungsrate mit 1.9 Prozent nur knapp unter der EZB-Zielmarke von 2.0 Prozent. Dagegen liefert ein zweiter geopolitischer Strang, ein kleines Beruhigungssignal: die verabredete Feuerpause zwischen Russland und der Ukraine. Dies nährt die Hoffnung, dass der Konflikt zumindest in einen verhandelbareren Modus wechseln könnte. Die geplanten Friedensgespräche in Abu Dhabi am Wochenende wurden auf Mittwoch/Donnerstag verschoben. (Quelle: Reuters, Medienberichte, 30.01./01.02.2026) Unterm Strich spricht vieles für nervöse Märkte. Chancen ja – jedoch mit dem Bewusstsein, dass 2026 bislang vor allem eines liefert: Schlagzeilen, die Kurse machen.
EZB-Einlagefazilität

Stand: 30.01.2026; Quelle: EZB
* Bitte beachten Sie, dass vergangene Wertentwicklungen keine Indikationen für künftige Wertentwicklungen sind.
Wichtige Wirtschafts- und Unternehmenstermine
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Datum |
Uhrzeit |
Land |
Ereignis |
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02.02.2026 |
08:30 |
CH |
Einzelhandelsumsätze |
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02.02.2026 |
09:30 |
CH |
SWME – Einkaufsmanagerindex |
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02.02.2026 |
16:00 |
US |
ISM Einkaufsmanagerindex verarb. Gewerbe |
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02.02.2026 |
k.A. |
CH |
Julius Bär Quartalszahlen |
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02.02.2026 |
k.A. |
US |
Walt Disney Quartalszahlen |
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03.02.2026 |
k.A. |
US |
PayPal Quartalszahlen |
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03.02.2026 |
k.A. |
US |
Pfizer Quartalszahlen |
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04.02.2026 |
10:00 |
EZ |
Einkaufsmanagerindex |
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04.02.2026 |
11:00 |
EZ |
Verbraucherpreisindex |
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04.02.2026 |
14:15 |
US |
ADP Beschäftisgungsveränderung |
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04.02.2026 |
16:00 |
US |
ISM Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen |
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04.02.2026 |
k.A. |
US |
Alphabet Quartalszahlen |
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04.02.2026 |
k.A. |
DE |
Infineon Quartalszahlen |
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04.02.2026 |
k.A. |
CH |
Novartis Quartalszahlen |
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04.02.2026 |
k.A. |
DK |
Novo Nordisk Quartalszahlen |
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04.02.2026 |
k.A. |
CH |
UBS Quartalszahlen |
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05.02.2026 |
11:00 |
EZ |
Einzelhandelumsätze |
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05.02.2026 |
13:00 |
GB |
BoE Zinssatzentscheidung |
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05.02.2026 |
14:30 |
US |
Erstanträge Arbeitslosenunterstützung |
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05.02.2026 |
14:45 |
EZ |
EZB Pressekonferenz |
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05.02.2026 |
k.A. |
US |
Amazon Quartalszahlen |
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05.02.2026 |
k.A. |
EZ |
BNP Paribas Quartalszahlen |
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05.02.2026 |
k.A. |
US |
Strategy Quartalszahlen |
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06.02.2026 |
08:00 |
DE |
Industrieproduktion |
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06.02.2026 |
09:00 |
CH |
SECO Verbraucherklima |
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06.02.2026 |
09:00 |
CH |
Arbeitslosenquote |
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06.02.2026 |
14:30 |
US |
Arbeitslosenquote |
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06.02.2026 |
16:00 |
US |
Uni Michigan Verbrauchervertrauen |
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06.02.2026 |
k.A. |
JP |
Toyota Motor Quartalszahlen |
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06.02.2026 |
k.A. |
US |
Under Armour Quartalszahlen |
Stand: 30.01.2026; Quelle: Reuters
Weitere Blogeinträge:
Zollfrieden, Goldrausch und Fed im Fokus
Die transatlantischen Märkte atmen auf – zumindest vorerst. Nachdem der Zollstreit zwischen den USA und Europa wie ein Damoklesschwert über den Börsen hing, sorgte das überraschende Einlenken von US-Präsident Donald Trump in der zweiten Wochenhälfte für eine erste Entspannung.
Die Welt blickt nach Davos
Am Flughafen Zürich geht es hoch her. Zahlreiche Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos landen am Airport in Kloten.
Berichtssaison, Inflation und Politik als Taktgeber
Die Märkte haben in der vergangenen Woche ihre starke Form bestätigt. In Europa markierte der SMI und auch der DAX, der erstmals nachhaltig die Marke von 25‘000 Punkte durchbrach, neue Rekorde.







